Lieber Kryon, bei der Reinkarnation erinnert man sich erst nach der letzten Reinkarnation an seine vergangenen Leben – zumindest ist das meine Auffassung. Mit anderen Worten, eine Person ist sich vergangener Leben nicht bewusst, während sie in diesem Leben lebt. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass ich gerade aus einem Koma aufgewacht bin und eine Amnesie habe – es ist, als hätte ich in meinem Unterbewusstsein Wissen über das Leben vor dem Koma, dessen ich mir zwar irgendwie, aber nicht vollständig bewusst bin. Das ist irgendwie verwirrend für mich.
Anders ausgedrückt: Ich habe das Gefühl, dass ich das Wissen habe, das ich in diesem Leben brauche, aber es gibt eine Barriere, die mir dieses Wissen verwehrt. Ich glaube, dass dies mein letztes Leben ist, weil ich mir dessen bewusst bin, aber mir fehlt das Wissen. Ich bin mir nicht sicher, wie ich das sonst erklären soll. Bitte hilf mir, meine Verwirrung zu klären. Deine Einsicht in diese Materie würde mir sehr helfen.
KRYON: Es gibt kein Problem, und du erlebst mit Millionen von anderen etwas, das du so gut ausgedrückt hast! Deine »Einschätzung« ist also richtig.
Stell dir Folgendes vor: Ein Künstler steht auf der Bühne, wo ein sehr starker Scheinwerfer auf ihn scheint. Er muss darauf vertrauen, dass es ein Publikum gibt, aber er kann es nicht sehen, denn genau das Licht, das andere ihn sehen lässt, blendet ihn für alles außerhalb des Kreises auf der Bühne. Gelegentlich hört er das Publikum aufstöhnen, applaudieren oder lachen. Aber das kommt ihm nicht real vor, denn er fühlt sich in dem hellen Licht sehr allein. Später, als das Stück zu Ende ist, erfährt er, wie viele da waren und wie toll alles war, aber während der Aufführung fühlte er sich allein.
Eure Dualität entwirft die Realität so, dass sie so ist. Sie muss so sein. Wenn jeder von euch einen Blick in seine vergangenen Leben werfen könnte, sie leicht überprüfen und wissen könnte, dass sie wahr sind, wo wäre dann der Test? Dein »Koma«, wie du es nennst, ist angemessen und genau da, wo es sein sollte.
Der Schüler sitzt an seinem Schreibtisch. Die Antwort auf jede Frage des Tests, der vor ihm liegt, befindet sich tatsächlich in seinem Gehirn, und er weiß sie, weil er sich daran erinnert, sie gelernt zu haben – irgendwo, irgendwie. Aber er kann sich nicht an die Schule erinnern! Als er seinen Bleistift ans Papier setzt, um die Fragen zu beantworten, sehnt er sich nach dem Spickzettel. Wo habe ich das gelernt? Warum ist es so schwer, sich das zu merken? Warum sollte ich glauben, dass ich die Antworten kenne? Gibt es hier mehr als das, was ich wirklich bin?
Während er über diese Dinge nachdenkt, beginnt sein Bleistift, all diese Fragen zu beantworten – genau und mit großer Einsicht und Weisheit. Er lächelt. Jetzt versteht er. Er muss die Details der Schule nicht kennen, um den Test zu beantworten. Alles, was er tun muss, ist, sich selbst zu erlauben, der Absolvent zu sein, der er ist.